Maro’s Reise

 

Die außergewöhnliche Geschichte unseres Langzeitinsassen Maro, misshandelt in der Tötungsstation, doch nun im ganz großen Glück.


Ioana, die Nichte unserer Tierheimleiterin, fand Ende 2017 auf Facebook einen Beitrag von 80 Hunden, deren letzter Lebenstag angebrochen war, in der Tötungsstation in Bragadiru. Die Hunde hatten dort 14 Tage Zeit einen Platz zu finden. Wer noch übrig ist, wird getötet. Bei diesen 80 Hunden war der 13. Tag angebrochen. Sie wurden in Boxen auf einem Grundstück ausgestellt. Wer an diesem Tag keinen Platz fand, wurde anschließend getötet. Maro war einer dieser 80 Hunde, die das unglaubliche Glück hatten von dort befreit zu werden, denn Ioana nahm alle 80 Hunde von dort mit.

Als Maro zu Ioana ans Auto gebracht wurde, war sein Gesicht voller Blut. Maro wurde geschlagen in der Tötungsstation, und das mit der Schaufel.

So kam Maro nun also zu uns ins Tierheim, schwer traumatisiert und geprägt von dem, was ihm angetan wurde:

Maro wurde bei uns aufgrund von Platzproblemen in einer Art „Notfallraum“ untergebracht. Nachdem er sich dort einigermaßen eingelebt hatte, wandelte sich seine Angst in pure Abwehr gegenüber Fremden. Maro fing an nach vorne zu gehen, wenn Fremde auf seinen Zwinger zukamen. Was er erlebt hatte, hat ihn dazu bewegt dem Menschen weh zu tun, bevor ihm weh getan wurde.

Anfang 2018 waren wir wieder vor Ort und lernten Maro persönlich kennen, mit dem Wissen dass die Chancen dieses Hundes ein Zuhause zu finden, gegen Null  gingen… Jede Bewegung, vor allem mit den Händen, die Maro so sehr weh getan hatten, ließen ihn aus der Haut fahren.

Ich, Teil des Teams, empfand damals großes Mitleid für diesen Hund ohne Namen der das Tierheim nie verlassen würde. Ich beschäftigte mich mit ihm, denn nach nur einem Blick in seine Augen war mir klar, dass dieser Hund aus Angst zupackte und nicht aus Aggression. Sein Blick, in den wenigen Momenten in denen er mir am Gitter ruhig gegenüber stand, war tief traurig und verletzt.

Jeden Tag ging ich mehrfach durch den Gang auf seinen Raum zu… Hin, und wieder weg… Immer mit Futter dabei oder Leckerlies.

Nach nur 4 Tagen, wurde ich bereits schwanzwedelnd von ihm begrüßt. Selbst das Bellen stellte er ein. Für mich war er kein unberechenbarer Hund. Unser Training bestand aus einem Erfolg nach dem anderen. Und so ging ich das 1. Mal zu ihm rein.

Endlich konnte mal sein Bettchen richtig aufgeschüttelt werden, frisches Stroh rein, einen großen Knochen und Maro genoss seine ersten richtigen Streicheleinheiten.

Hier bekam er dann auch seinen Namen von mir. Es stellte sich heraus dass Maro eine richtige Schmusebacke ist. Er drückte sich richtig ran und konnte gar nicht genug bekommen.

Der Abschied am 6. Tag fiel sehr schwer… Und es sollte auch lange dauern, bis man sich wieder sah. Um genau zu sein 2 Jahre und 9 Monate. Maro war mir in diesen 6 Tagen sehr nah gegangen und beschäftigte mich sehr, Tag für Tag. Ich versprach ihm, dass wir eines Tages doch einen Platz für ihn finden würden. Ihn zu mir zu holen wäre natürlich mein größter Wunsch gewesen, doch meine Lebensumstände waren damals völlig unrealistisch für ihn.

Während dessen wurde für Maro ein neuer Zwinger gebaut, wodurch er nach einigen Wochen in einen Außenbereich ziehen konnte. Eine deutliche Verbesserung für ihn, denn endlich war er wieder an der frischen Luft und konnte die Sonne spüren. Auch fand sich eine Hundefreundin für ihn, weshalb er nicht mehr so einsam war. Sein Verhalten besserte sich durch die positiven Erfahrungen und die verbesserten Lebensumstände. Die Skepsis blieb jedoch, was sich im Laufe der Zeit nochmals bestätigte als einer unserer deutschen Helfer seinen Arm zu nah am Zaun hielt, wodurch seine Jacke anschließend eine bessere Luftzirkulation aufwies, wenn Sie wissen was ich meine 🙂

Nun war es nach besagten knapp 3 Jahren mal wieder soweit und ich fuhr mit nach Rumänien, mit der ziemlich traurigen Fast-Gewissheit, dass Maro mich nicht mehr kennen würde und ich wieder bei Null  anfangen konnte. Doch Maro überraschte: Nach ganz kurzem anfänglichem Bellen als ich auf seinen Zwinger zuging, schwenkte die Stimmung schlagartig in große Freude um. Der Schwanz wedelte, die Augen wurden ganz groß. Maro erkannte mich nach fast 3 Jahren wieder, ich ging sofort zu ihm rein.

Diese große Schmusebacke, die mir all die Jahre nicht aus dem Kopf ging… eine Begegnung wie ich sie noch nie hatte. Wir hatten sehr intensive 6 weitere Tage, in denen sich unsere Bindung nochmals um einiges gesteigert hat.

Immer wieder dieser Wunsch ihm ein Zuhause schenken zu können oder eins für ihn zu finden… doch sein Verhalten, seine Größe, sein Alter und seine optischen Rassemerkmale eines Schäferhundes machten es einfach unglaublich schwer, bzw. unmöglich…

Anfang 2021 dann die große Wende. Bei mir sollte sich überraschenderweise einiges ändern bis Juli, Maro hatte sein Reiseticket nach Deutschland in der Tasche. Meine Freude war sehr groß, es wurde alles vorbereitet für ihn. Voller Vorfreude besuchte ich ihn nochmals und bereitete seinen Zwinger mit Sonnensegeln auf seinen letzten und hoffentlich nicht allzu harten Sommeranfang dort vor.

Auch durchgebürstet wurde er zum 1. Mal in seinem Leben, nachdem ich „Hund“ nicht nur an den Händen sondern auch in der Nase hatte 🙂

Ganz schön fleißig waren wir… Vorher/Nachher :

Bei diesem Besuch musste ich allerdings etwas erschrocken feststellen, dass man Maro nun nach 3 Jahren deutlich die Auswirkungen des Zwingerlebens anmerkte… er hatte nochmals stark zugenommen und seine Laune am 1. Tag bei meiner Ankunft war bescheiden. Zwar wie immer freundlich zu mir, aber er wirkte einfach betrübt und grummelig. Der Blick mit dem er seine Umgebung und Hundekumpels besah war ein anderer. Ich war froh zu wissen dass er hier bald heraus kommen würde. Nach 2 Tagen meines Aufenthaltes dort war eine gewisse Grund-Fröhlichkeit wieder hergestellt.

Wir möchten hier auch nochmals mit besonderer Freude zeigen, wie lernfähig auch ein erwachsener Hund in Maro’s Alter (zum Zeitpunkt des folgenden Videos ca. 6 Jahre alt) sein kann. Viele Menschen hätten gerne einen bereits erwachsenen Hund, trauen sich jedoch nicht da dieser ja die Prägephase versäumt hat… Maro zeigt nun, was ein 6 jähriger Hund im Tierheim innerhalb von 2 Nachmittagen lernen kann, in der Hoffnung dass mehr Menschen einem erwachsenen Tier eine Chance geben, denn diese haben es sehr schwer obwohl sie genauso anpassungsfähig sind:

Nun war es also soweit, unser letzter Abschied stand an, bevor wir uns im Juli in Deutschland wiedersehen würden. Letzte Fotos und Videos wurden gemacht.

Ich habe alles vorbereitet für Maro und dann war es endlich Juli und Maro’s großer Tag stand an… Die Ausreise aus einem Land, das ihn sehr geprägt hatte… das Tierheim nach 3 1/2 Jahren hinter sich lassen. In seinem ca. 7. Lebensjahr endlich in ein richtiges Leben reisen. Dass Maro diese Reise nach Deutschland wirklich jemals antreten würde war ein großer Wunsch, an dem jedoch gezweifelt wurde dass er jemals eintreffen würde. Am 17.07.2021 war es dann soweit, Maro wurde eingeladen:

Und los ging die Fahrt ins ganz große Glück, Maro beim Ausstieg in Deutschland:

Auf der 01:30 stündigen Heimfahrt war Maro erstmal sehr gestresst. Er hechelte sehr stark und war sehr unruhig. Er beruhigte sich dann aber nach einiger Zeit und realisierte erstmal wer da überhaupt neben ihm saß, denn bei der Übergabe hatte er vor Aufregung seine Freude nicht wirklich zum Ausdruck bringen können. Auf der Heimfahrt ging es dann los, man wollte mit seinen 60 cm Schulterhöhe und 31 kg unbedingt auf den Schoß. Er drückte sich an mich, die Pfote hat zum Dauer-Streicheln an mir gekratzt und die Augen fingen an zu leuchten.

Zuhause angekommen musste dann nach dem ersten Frühstück erstmal geschlafen werden. Maro war schon sehr gestresst in den ersten paar Tagen, er hat viel gehechelt und auch ab und an gepienst, war grundsätzlich unruhig und wusste einfach nicht wohin mit sich. Alles war eben neu, ein Körbchen kannte er nicht und hat dann einfach neben dran auf dem ungemütlichen Boden gelegen. Mit Hilfestellung hat er das aber alles nach und nach gemeistert und ist nun sehr entspannt, liebt sein Körbchen und schläft durch.

Maro ist hier sehr zur Ruhe gekommen. Sein bellen im Tierheim bei jedem Geräusch hat er völligst abgelegt. Egal ob es klingelt, andere Hunde in Sicht kommen oder irgendwas raschelt, es kommt kein Ton von ihm. Er orientiert sich sehr an mir und hat dadurch eine völlige Verhaltensänderung abgeliefert. Fremde verunsichern ihn, dann dreht er jedoch um, kommt bei Fuß und läuft im Körperkontakt an meiner Seite weiter. Kein knurren, nichts. Er ist sich sicher dass in meiner Anwesenheit nichts passiert und geht dadurch auch freundlich auf Fremde zu, wenn diese mal kurz in die Hocke gehen und ihn rufen. Auch von Männern lässt er das zu.  Was ihm zu viel wird, zeigt er dann aber noch mit den Zähnchen. Mit Halsband, Leine und Geschirr hat er noch etwas Probleme, hier merkt man einfach seine schlechten Erfahrungen die er mit den Hundefängern und deren Fangschlingen gemacht hat. Er wird unruhig und winselt dann auch. Maro macht jeden Tag Fortschritte und wird jeden Tag fröhlicher und zufriedener.

Mit anderen Hunden versteht er sich überraschend gut, egal ob klein oder groß. Nur Pinscher sind ihm zu hektisch 🙂 die mag er auf den ersten Blick nicht so und den Katzen gibt er auch Bescheid dass er an einer Freundschaft nicht interessiert ist.

Maro ist zudem Pferde- Fische- und Schildkrötenverträglich 🙂

Er geht gerne schwimmen, lief in kürzester Zeit super an der Leine, hört immer besser wenn man ihn ruft, war vom 1. Tag an stubenrein und seine Barf-Menüs die er jeden Tag bekommt schmecken ihm ganz toll.

Maro ist der geborene Stallhund. Er ist jeden Tag mit dabei, hatte von Anfang an vor Pferden keine Angst, läuft am Schubkarre bei Fuß und wartet brav während das Pferd bewegt wird.

Lieber Maro, jetzt hast du es endlich geschafft, wir alle haben nicht wirklich daran geglaubt dass du das Tierheim jemals verlassen wirst, umso mehr freut man sich dass ein Hund wie du es nun doch dort raus geschafft hat und du nun endlich doch noch kennen lernen darfst, wie toll ein Hundeleben eigentlich ist, was es alles für Sachen/Orte gibt und wie toll Menschen sein können!

Ich, als dein Frauchen, wünsche mir dass du noch mehr aufblühst, fröhlicher wirst und zum Beispiel auch das spielen mit Hundespielzeug anfängst, was dir derzeit noch völlig fremd ist. Man merkt dass du in der Welpenzeit einiges verpasst hast, was mich noch ein bisschen traurig macht, weil spielen sowas Lustiges für euch Hunde ist. Ich wünsche mir zudem, dass du diesen traurigen Blick verlierst den du teilweise noch hast wenn eine Situation entsteht die dich wohl an vergangene schlimme Erfahrungen erinnert… einfach dass du deine Hemmungen verlierst und dein Leben einfach lebst ohne immer wieder an deine schweren Zeiten zurückzudenken. Du brauchst jetzt keine Angst mehr zu haben, denn ich passe auf dich auf!

Ich freue mich auf eine hoffentlich lange Zukunft mit dir!

Dein Frauchen Celina und das Mira-Tierhilfe Team